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Vier Inszenierungen mit Freunden

ADRIAN ELSENERS SOZIALISIERUNGSLANDSCHAFTEN

Etwa alle zwei Jahre finden Adrian Elseners Freunde eine Einladung im Briefkasten: in Form eines spärlich gestalteten Büchleins, das aber reich an fotografischen Abbildungen einer eindrücklichen Landschaft ist. Damit lockt er sie, sich zu gegebener Zeit an diesem Ort einzufinden, um bei der Entstehung einer inszenierten Fotografie mitzumachen.

Auf diese Weise ist in den letzten Jahren eine Serie von vier grossformatigen Bildern entstanden, die man als «Sozialisierungslandschaften» definieren könnte. Als Hintergrund dienen Orte, die eine spektakuläre und unerwartete Kulisse bieten. Ein winterliches Seeufer, eine üppige Birkenwaldinsel, eine glühende Kiesgrube und ein gefrorener Fluss gehören bis zum jetzigen Zeitpunkt zu dieser Serie. Es sind abgelegene Orte, die wegen ihrer Stimmung und malerischen Qualität ausgewählt worden sind, aber auch weil Elsener seine Vorliebe für diese Stätten mit den Mitgliedern seines sozialen Umfelds teilen will.

Ort und Zeit werden also genau definiert, und wer sich für die Teilnahme entscheidet, muss sich an diese festen Angaben halten und die einfachen Regeln befolgen. Dies erlaubt die Entstehung eines sozialen Rituals, das mit einer Reise beginnt, sich in einem Treffen konsolidiert und sich schliesslich in einem fotografischen Bild definiert. Vor der Kulisse bleibt die Inszenierung locker und die Figuren zerstreuen sich auf natürliche Weise in der Landschaft – auch wenn sie sich in Wahrheit ohne externen künstlerischen Entscheidungsakt nie gleichzeitig dort aufhalten würden.

Was der Betrachter zu sehen bekommt, ist aber nicht nur ein Akt des Mitmachens und des freundschaftlichen Teilens, sondern auch die Geschichte eines sozialen Beziehungsnetzes, das sich als Zeuge des Alltagslebens laufend ändert. Die meisten Mitglieder der Gruppe bleiben die selben, einige neue kommen dazu und andere verschwinden. Was bleibt, sind diese riesigen Fotografien, die Adrian Elseners Wunsch, seine Sozialisierung festzuhalten und zu würdigen, spiegeln.

Giovanni Carmine, Zürich August 2006

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